Fliegen wie die Profis

Auch professionelle Piloten nutzen Simulatoren: Full Flight Simulatoren werden für professionelle Pilotentrainings verwendet und erfüllen entsprechend der Zulassungsbedingungen nach JAR-FCL1A Level-D umfangreiche Funktionen und bilden einen bestimmten Flugzeugtyp exakt nach. Bei der Lufthansa Aviation Training entspricht jeder Simulator einem bestimmten Flugzeug innerhalb der Flotte.

Damit die Piloten jede Bewegung des Flugzeugs auch im Simulator spüren, steht die Simulator-Plattform frei beweglich auf sechs Beinen. Sämtliche Flugmanöver lassen sich damit realistisch nachstellen: Der Flug durch Turbulenzen ebenso wie das Aufsetzen auf der Landung können gespürt werden, da der Simulator in sechs Freiheitsgraden beweglich ist:

  1. Längsbewegung (vor-zurück)
  2. Querbewegung (links-rechts)
  3. Vertikalbewegung (hinauf-hinunter)
  4. Rollen
  5. Nicken
  6. Gieren

Über unser Schwesterunternehmen ProFlight erleben auch Sie einen Flug in den Flugsimulatoren der Lufthansa Aviation Training.

Full Flight Simulator der Lufthansa Aviation Training
Full Flight Simulator der Lufthansa Aviation Training

Weiterführende Informationen: Historie und technische Details

Herkömmlicherweise erfolgte die Bewegung der Flugsimulatoren durch ein Hydrauliksystem. Da realistische Flugbewegungen schnelle Reaktionszeiten erfordern, benötigte man jedoch sehr starke Hydraulikpumpen. Dies bedingte einen hohen Strombedarf und eine kostenintensive Wartung. Deshalb wurden seit Mitte der 90er Jahre die ersten vollelektrischen Simulatoren eingesetzt. Hierbei ersetzten elektrische Stellmotoren die Hydraulik und vereinen die Vorteile einer kürzeren Ansprechzeit und eines geringeren Stromverbrauchs.

Umstritten ist seitdem, welche der beiden Methoden die Flugzeugbewegung am besten nachbildet, mit guten Argumenten auf beiden Seiten. Als Mittelweg bietet daher ein Simulatorhersteller inzwischen ein elektro-hydraulisches Kombisystem an.

In heutigen Full Flight Simulatoren ist es möglich, gefahrlos eine Vielzahl von Flugverfahren und Notsituationen zu trainieren und Piloten somit für den „Ernstfall“ vorzubereiten. Die Simulation gelingt dabei so realistisch, dass Piloten beim Wechsel von einem Flugzeugmuster zum anderen teilweise ausschließlich im Simulator trainieren (Zero Flight Training).

In den Full Flight Simulatoren wird ausschließlich nach IFR (Instrument Flight Rules, d.h. Instrumenten Flugverfahren) trainiert. Auch wenn dafür die Darstellung einer Außensicht weniger wichtig ist, wurden die Sichtsysteme immer weiter verbessert.  In den 80er Jahren hatten die Simulatoren noch ausschließlich an den Frontfenstern des Cockpits je einen Bildschirm. Dadurch ergab sich lediglich ein Sichtbereich von ca. 120 Grad, d.h. praktisch nur nach vorne. Frühere Simulatoren verfügten außerdem nur über eine beschränkte Datenbank an Flughäfen und über eine sehr einfache grafische Darstellung.  Moderne Simulatoren haben eine umfangreiche weltweite Datenbasis und einen 180 Grad Sichtbereich, was der Sicht aus dem echten Flugzeug nahekommt. Die Landschaft wird mit Satellitengrafiken realitätsnah dargestellt und die Flughäfen und deren Umgebung werden detailgetreu eingepasst.

Viel wichtiger als die Darstellung der Außensicht ist aber die originalgetreue Nachbildung des Cockpits selbst. Flugsteuerung, Fluginstrumente und das Zusammenspiel mit den Simulationsprogrammen müssen exakt dem Original entsprechen und werden zu 100% simuliert. In Level-D Simulatoren kommen dafür nur Flugzeug-Originalteile zum Einsatz, bei Airbus Simulatoren sogar die originalen Computer der Flugsteuerung.

Um originalgetreu zu arbeiten, stellen die Flugzeughersteller spezifische Daten zur Verfügung: Daten aus der Flugzeugentwicklung, der Flugerprobung und die Ergebnisse spezieller Testflüge.

Der Ausbilder (Instructor) steuert die Simulation über eine Ausbilderkonsole und macht darüber alle für das Training relevanten Eingaben. Auf diese Weise bestimmt er z. B. Flughafen, Wetter, Flugzeugkonfiguration sowie Trainingsszenarien wie: Schlechtwetter, Druckverlust, Systemausfälle, Triebwerksbrände usw.

Mit den gestiegenen Möglichkeiten der Level-D Full Flight Simulatoren sind auch die Anforderungen an die Investition und die Betriebskosten gestiegen. Je nach Flugzeugmodell kosten die Simulatoren bis zu 18 Millionen Euro und haben ein Gewicht von bis zu 15 Tonnen, die sekundenschnell bewegt werden können.Angesichts dieser Kosten werden die Full Flight Simulatoren nur für diejenigen Trainings eingesetzt, bei denen eine besonders realistische Flugzeugsimulation erforderlich ist, z. B. bei Notfallsituationen. Um Verfahren zu trainieren, für die das Flugverhaltens unerheblich ist, etwa die Bedienung des Flight Management Systems, werden überwiegend einfachere Simulatoren eingesetzt, z.B. Fixed Base Simulatoren oder MFTDs (Multi-Functional Training Device) eingesetzt.